0 Kommentare

April 6, 2021

Ängste in der Schwangerschaft sind in unserer Gesellschaft leider immer noch ein Tabuthema. Dabei sind bis zu 10 Prozent aller schwangeren Frauen von Panikattacken betroffen (4).

Und ich persönlich finde es auch nur allzu verständlich, dass sich schwange Frauen Sorgen über Kind, Geburt und alles Mögliche machen.

Und dann ist da auch noch die Angst, das eigene Baby durch eine Fehlgeburt zu vierlieren. Eine Angst, die eine zusätzliche Belastung darstellt - insbesondere für die betroffenen Frauen, die bereits zuvor schonmal eine Fehlgeburt erlitten hatten.

In diesem Artikel erfährst Du wertvolle Tipps zur Hilfe, um Deine Ängste und Panikattacken während der Schwangerschaft in den Griff zu bekommen.

Die Panikstörung

Die Panikstörung ist eine Angststörung, die mit ständigen und unvorhersehbaren Panikattacken einhergeht. Diese Attacken treten plötzlich auf und lösen Gefühle von Angst, Beklemmung, Nervosität und Besorgnis aus.

Die emotionalen Symptome treten typischerweise zusammen mit somatischen Empfindungen auf, wie z. B. beschleunigter Herzschlag, Schmerzen in der Brust, Benommenheit, Zittern, Übelkeit und Taubheit oder Kribbeln.

Betroffene Frauen, die schwanger werden, sind möglicherweise besorgt darüber, wie sich die Schwangerschaft auf ihre Beschwerden und Probleme auswirken und andersrum.

Die Studienlage ist uneinheitlich (1):

  • Einige Studien zeigen, dass Angstattacken und Angstzustände während der Schwangerschaft zunehmen.
  • Andere Studien deuten hingegen darauf hin, dass schwangere Frauen über einen Rückgang der Panik- und Angstsymptome berichten.
  • Und bei nicht wenigen Frauen treten während der Schwangerschaft auch erstmalig Angst- und Panikzustände auf.

Es ist also nicht möglich vorherzusagen, ob sich die Angst und Panik während der Schwangerschaft verschlimmern werden.

Es gibt jedoch einige Schritte, die Du unternehmen kannst, um mit Deinen Problemen während und nach der Schwangerschaft besser umzugehen.

Lesetipp: Weitere Ursachen und Auslöser von Panikattacken

So äußern sich Panikattacken

Eine Panikattacke kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden (in Extremfällen) anhalten. Zu den typischen Anzeichen zählen:

  • Starke Ängste bis hin zu Todesängsten
  • Herzklopfen: ein Gefühl, als würde einem das Herz aus der Brust springen
  • Herzrasen: beschleunigter Puls
  • Schnelle und flache Atmung (Hyperventilation)
  • Schwitzen und feuchte Hände
  • Schwindel

Tipps zum Umgang mit Panikattacken in der Schwangerschaft

Wenn Du Dir Sorgen über mögliche oder zunehmende Attacken während der Schwangerschaft und machst, können Dir die folgenden Tipps zum Umgang mit Panik-Attacken während der Schwangerschaft helfen.

#1 Spreche zuerst mit Deinem Arzt

Wenn es um das Thema Schwangerschaft geht, hat scheinbar jeder seine eigenen persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen.

  • Vielleicht hast Du eine Schwester, die Dir von ihren Erfahrungen in der Schwangerschaft erzählt und Ihnen Dir rät, welche Lebensmittel Du besser meiden solltst,
  • oder Du hast eine Tante, die Dir gerne Ammenmärchen und sonstige Schwangerschaftsmythen erzählt.

Unabhängig von allen Ratschlägen, die Du von anderen erhältst, solltest Du besser erstmal Deinen Frauenarzt befragen.

Teile ihm mit, welche Bedenken Du wegen Deiner Ängste in der Schwangerschaft hast. Er/sie wird Dir helfen können, die Fakten von dem zu unterscheiden, was man Dir möglicherweise an Falschinformationen aufgetischt hat.

Er sollte auch in der Lage sein, die Behandlungsmöglichkeiten während der Schwangerschaft gründlich mit Dir zu besprechen, einschließlich das Abwägen von Nutzen und möglicher Risiken von Medikamenten gegen Angststörungen und Panikstörungen.

#2 Die Arbeit mit einem Psychotherapeut/einer Psychotherapeutin

Eine Psychotherapie kann Dir helfen, Deine Angst während der Schwangerschaft besser in den Griff zu bekommen.

In Deiner ersten Therapiesitzung wirst Du über Deine Beschwerden, Deine Vorgeschichte und Deine aktuellen Lebensbelastungen sprechen. Im Laufe der Therapie kannst Du ein besseres Verständnis für Deine Symptomatik entwickeln und Wege finden, besser mit Deiner Erkrankung umzugehen.

Psychoedukation

Dein Therapeut kann auch eine sogenannte Psychoedukation einsetzen, um Dir zu helfen, Deine Gefühle zu verstehen. Das durch die Therapie vermittelte Wissen und die Unterstützung kann Dir helfen, Ängste im Zusammenhang mit Deinen Symptomen zu reduzieren und ein Gefühl der Kontrolle über Deine Angstattacken während der Schwangerschaft wieder zu erlangen.

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine der häufigsten Formen der Psychotherapie. KVT zielt darauf ab, negative Gedanken und Verhaltensweisen in Richtung gesünderer Sichtweisen und Verhaltensweisen zu verändern (2).

Möglicherweise hast Du auch bestimmte Ängste wie z.B.

  • "Wird sich meine Angst auf die Schwangerschaft auswirken?"
  • "Stört es das Baby in meinem Bauch, wenn ich eine Attacke habe?"
  • "Wird mein Kind gesund sein?"
  • "Was, wenn ich keine gute Mutter bin und ich mich als Mama nicht gut um mein Kind sorgen kann?"
  • "Wer kümmert sich um das Haus, wenn ich im Wochenbett bin?"

Solche Sorgen können zu verstärkten Gefühlen von Angst, Beklemmung und Panik beitragen. Durch KVT kannst Du lernen, diese Art von Denkmuster zu erkennen und sie durch positivere und weniger angstauslösende zu ersetzen.

Ein prominentes Beispiel: Amira Pocher

Amira Pocher hatten den Mut, das Tabu-Thema in der Öffentlichkeit anzusprechen.

In ihrem Podcast "Hey Amira" spricht sie über ihre Ängste und Panik-Attacken, die bei ihr während der Schwangerschaft erstmalig auftraten (5).

Ihre psychologische Beraterin Claudia Borchers-Thier hat auch direkte eine mögliche Erklärung parat: Sie vermutet, dass die durch die Schwangerschaft bedingten hormonellen Veränderungen ein Trauma aus Amiras Kindheit getriggert haben könnten, in dem es um Kontrollverlust ginge.

Das passt auch zu Amiras Aussage:

"Ich habe meinen Bauch angefasst. Ich habe gewusst da ist ein Baby drin. Und dann hab ich Panik bekommen."

Und ihr seien immer wieder Gedanken gekommen wie:

"Wächst der Bauch?"
"Strampelt der Kleine?"

#3 Entspannungstechniken

Auch Entspannungstechniken werden oft im Rahmen der Kognitiven Verhaltenstherapie erlernt.

Der Stress, der durch Angst und Panik im Körper entsteht, kann durch Entspannungsübungen abgebaut werden. Diese Techniken helfen Dir dabei, wie Du dich ruhiger fühlen kannst, auch wenn Du mit Ängsten konfrontiert wirst.

Einige beliebte Entspannungstechniken sind geführte Visualisierungsübungen, tiefe Atemtechniken und progressive Muskelentspannung (PMR).

#4 Investiere mehr Zeit in deine eigene Gesundheit

Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau, in der sie sich oft mehr Sorgen um ihre körperliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden macht. Wenn Du Dir etwas mehr Zeit für Deine eigene Gesundheit nimmst, kann das helfen, Stress und Ängste abzubauen.

Dazu gehören alle Dinge, die Du tun kannst, um Deine Gesundheit und Dein allgemeines Wohlbefinden zu verbessern. Dazu gehören z. B. sportliche Aktivitäten, Stressbewältigung und ausreichend Ruhe.

Wende Dich an Deinen Frauenarzt oder an Deine Hebamme, um zu besprechen, welche Aktivitäten Du ohne Bedenken ausüben kannst, ne nachdem in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) Du dich gerade befindest.

#5 Organisiere Dir Unterstützung

Angehörige zu haben, an die Du Dich wenden kannst, kann Dir helfen, mit Deinen Ängsten und Unsicherheiten bezüglich Panik, Angst und Schwangerschaft umzugehen.

Informiere deshalb zuverlässige Freunde und Familienmitglieder über deine Sorgen und bitte sie, in Notfällen für dich da zu sein. Vielleicht musst Du niemanden um Hilfe bitten, aber es kann helfen, Deine Ängste zu reduzieren, wenn Du weißt, dass die Betreuung in jeder Situation sichergestellt ist - und dass geliebte Menschen für Dich da sind, wenn Du Probleme hast und sie brauchst.

Hormone und die Frage nach den Ursachen

Dein Körper erfährt während der Schwangerschaft einen regelrechten Hormon-Sturm.

Die Hormone haben dabei nicht nur Auswirkungen auf deinen Körper, um ihn auf Schwangerschaft und Geburt vorzubereiten. Die Auswirkungen auf die Psyche sind enorm. Das kennst Du ja bestimmt mehr oder weniger von deinem Monatszyklus.

Leider ist es so, dass bei manchen Schwangeren die veränderten Hormone dazu führen können, dass sie in gewisser Weise anfälliger für Angstattacken werden. Bei anderen Frauen ist es genau andersrum: da sind psychische Beschwerden, die sie vorher hatten, in der Schwangerschaft plötzlich verschwunden.

#6 Kontrolle gegen Angst: Informiere Dich, wie alles abläuft

Sind Ängste in der Schwangerschaft normal? In gewissem Maße absolut!

Gerade bei der ersten Schwangerschaft gibt es so viele Dinge, die neu sind und noch neu sein werden. Diese Unklarheiten können das Gefühl des Kontrollverlustes und dadurch die Angst und Panik der "Patienten" verstärken.

Ich rate deswegen dazu, sich möglichst gut vorzubereiten. Hier ein paar Beispiele:

  • Wie sieht das Krankenhaus bzw. der Kreissaal aus?
  • Welche Ärzte sind für mich zuständig?
  • Sind Besucher erlaubt? Wer darf mich wo zu welchen Zeiten besuchen?

Deine Hebamme wird hier für die meisten Dinge dein Ansprechpartner Nr. 1 sein. Versuche deswegen, Vertrauen zu ihr aufzubauen und scheue Dich nicht, dir Deine Fragen zu stellen.

Jede Sorge ist berechtigt und darf von Dir geäußert werden. Es gehört zu den Aufgaben von Hebammen, diese Fragen zu beantworten und Dir so ein gutes Gefühl zu geben.

Vielleicht hast Du auch so viele Fragen, dass Du Dir diese auf einem Zettel notieren möchtest. Dann kannst Du die Fragen eine nach der anderen mit deiner Hebamme durchgehen und evtl. sogar Notizen dazu machen.

#7 Erstelle einen Plan für Dein Wochenbett!

Vielleicht hast Du schon von der sogenannten postpartalen Depression gehört. Dieser Begriff wird verwendet, um zu beschreiben, wenn Frauen nach der Geburt ihres Kindes depressive Anzeichen wie Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Wertlosigkeit erleben.

In ähnlicher Weise besteht bei Frauen, bei denen eine Angststörung diagnostiziert wurde, ein erhöhtes Risiko für Angstzustände nach der Geburt(3). Gefühle von Nervosität, Angst und Isolation sind für frischgebackene Mütter häufig.

Glücklicherweise kannst Du erhöhten Angstzuständen und panikartigen Symptomen mit etwas Vorbereitung vorbeugen.

Auch wenn die Zeit nach der Geburt für die meisten Frauen eine anstrengende Zeit ist, ist es wichtig, dass Du mit Deinem Arzt und/oder Deinem Therapeuten über Deine Panik- bzw. Angststörung sprichst.

Arbeite weiter an Deinen Behandlungszielen, wie z.B. der Bewältigung von Angstzuständen, der Bewältigung Deiner Angst und dem Umgang mit Einsamkeit. Ein Plan für die Zeit nach der Geburt kann Dir dabei helfen, deinen Weg zur vollständigen Genesung weiterzuverfolgen.

Fazit

Manche Frauen sind während der Schwangerschaft erstmalig von Angst und Panikzuständen betroffen. Bei Frauen mit bestehender Panik- oder Angststörung kann es zur Verschlimmerung der Beschwerden kommen, in manchen Fällen kommt es aber auch zu einer Verbesserung der Angstsymptomatik.

Neben den allgemeinen Empfehlungen zum Umgang mit Panikattacken im Rahmen einer Panikstörung gibt es eine Reihe von Tipps, welche speziell Schwangeren helfen können, diese Zeit mit ihrem Baby im Bauch gut zu überstehen.

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas Humbert, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

Fragen oder Bemerkungen? Dann schreib' einen Kommentar...

Your email address will not be published. Required fields are marked

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Meine Geschichte

Du möchtest erfahren, was mir am besten geholfen hat?

Dann lies hier meine Geschichte ...