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Mai 3, 2021

Panikattacken kommen meist völlig unerwartet und ohne Ankündigung. Biologisch betrachtet ist Angst eine wichtige Schutzfunktion deines Körpers. Wenn sie aber überhandnimmt, kann sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen – spätestens, wenn die Angst vor der Angst hinzukommt.

Dennoch bist du deiner Panikstörung nicht hilflos ausgeliefert, sondern kannst mit unterschiedlichen Therapieformen auf sie einwirken. Vielen Betroffenen helfen unter anderem Medikamente dabei, ihre Angst wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Welche Medikamente bei Panikattacken Wirkung versprechen und welche Alternativen es gibt, erfährst du in diesem Artikel. 

Interessierst Du Dich vor allem für rezeptfreie pflanzliche Mittel, dann empfehle ich dir meinen Artikel:
Panikattacken Medikamente- rezeptfreie Alternativen

Was versteht man unter einer Panikstörung?

Bei der Panikstörung, einer Form der Angststörung, leiden die Betroffenen wiederholt an plötzlich einsetzenden Panikattacken.

Bei Menschen, die an einer Panikstörung leiden, treten immer wieder und oft ohne erkennbaren Auslöser Panikattacken auf. Es handelt sich um eine besondere Form der Angststörung, von der in Deutschland etwa 2-4 % der Menschen betroffen sind. Oft beginnt die Erkrankung im jungen Erwachsenenalter.

Eine Panikattacke bezeichnet eine extreme und plötzliche Angstreaktion. Oft beginnt sie mit kleinen Anzeichen und erreicht nach einigen Minuten ihren Höhepunkt. Auf diesem erfahren viele Betroffene Gefühle des Kontrollverlusts bis hin zur Todesangst. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten klingt die Attacke langsam wieder ab.

Körperliche Symptome einer Panikattacke

Eine Panikattacke äußert sich nicht nur auf mentaler Ebene, sondern geht mit zahlreichen körperlichen Reaktionen einher. Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts. Sie umfassen zum Beispiel:

  • Starkes Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen oder Herzklopfen
  • Schwindel
  • Atemnot und Erstickungsgefühle
  • Enge im Brustkorb
  • Übelkeit
  • Unwohlsein im Magen

Darüber hinaus berichten einige Betroffene von Phänomenen der Derealisation oder Depersonalisation: Sie nehmen entweder ihre Umgebung oder gar sich selbst als fremd und irreal wahr.

In schweren Fällen treten solche Panikattacken mehrmals pro Woche auf. Das kann zu einem Teufelskreis führen, da Betroffene das erneute Auftreten einer Attacke bereits vorab antizipieren und fürchten. Die so zusätzlich entstehende Angst wird Erwartungsangst genannt.

Panikattacken im Rahmen einer Primären Angststörung

Grundsätzlich ist Angst keine Krankheit, sondern eine Schutzreaktion des Körpers. Außerdem können Angst und Panik Begleitsymptome anderer Erkrankungen sein, wie beispielsweise bei Depressionen, einer Schilddrüsenüberfunktion oder einem Herzinfarkt.

Es ist aber auch möglich, dass die Angst das zentrale Symptom der Beschwerden ist. In diesem Fall spricht man von einer Primären Angststörung. Diese kann nicht durch somatische oder psychiatrische Krankheiten erklärt werden.

Situationsbezogene vs. nicht-situationsbezogene Angststörungen

Eine primäre Angststörung kann sowohl in bestimmten Situationen also auch völlig unvorhergesehen und ohne situationsbezogenen Auslöser auftreten.

Eine situationsbezogene Angststörung ist beispielsweise die relativ bekannte Agoraphobie, auch Platzangst oder Kaufhausangst genannt. Weitere Formen sind Flugangst, Prüfungsangst oder soziale Phobien. Letztere umfassen den Umgang mit anderen Menschen oder das Sprechen vor einer größeren Gruppe.

Treten Panikattacken situationsbezogen auf, lassen sie sich vergleichsweise gut mit psychotherapeutischen Maßnahmen behandeln. Schwieriger zu behandeln sind nicht-situationsbezogene Angststörungen, da hier die Ursache nicht eindeutig erkennbar ist.

Als nicht-situationsbezogen gelten Panikstörungen, bei denen regelmäßig plötzliche Panikattacken auftreten ebenso wie die sogenannte generalisierte Angststörung (GAS).

LesetippWas tun gegen Panikattacken?

Psychopharmaka zur Behandlung von Angststörungen und Panikattacken

Als Notfallmedikament kommen meist Benzodiazepine mit hohem Suchtpotential zum Einsatz, zur Langzeittherapie stehen diverse Antidepressiva zur Verfügung.

Psychopharmaka sind insbesondere zur Behandlung von Panikstörungen, der GAS und sozialen Phobien indiziert. Als beste Medikamente gegen Panikattacken gelten Antidepressiva oder Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine.

Antidepressiva gegen Panikattacken zur längerfristigen Behandlung

Die Medizin geht aktuell davon aus, dass hinter Angsterkrankungen – wie bei Depressionen – ein Mangel oder ein Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im zentralen Nervensystem steckt.

Diese Botenstoffe oder auch Neurotransmitter wirken insbesondere im kleinen Spalt zwischen zwei Nervenzellen. Antidepressiva beeinflussen die Verfügbarkeit der Botenstoffe, indem sie beispielsweise die Aufnahme bestimmter Botenstoffe in die Nervenzellen verhindern.

Auf diese Weise soll der Einsatz von Antidepressiva die Ausmaße, Beschwerden und Häufigkeit von Panikattacken verringern. Die Mittel lösen Ängste und Spannungen und wirken stimmungsaufhellend.

Da antidepressive Medikamente ihre Wirkung jedoch nicht sofort entfalten, eignen sie sich vor allem zur Langzeitbehandlung. Die volle Wirksamkeit entsteht in der Regel frühestens nach 3 bis 4 Wochen, teilweise sogar erst nach 5 bis 6 Wochen.

In der Praxis werden Antidepressiva bei Panikattacken aus drei verschiedenen Gruppen eingesetzt:

  • Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
  • Trizyklische Antidepressiva

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)

Sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wirken selektiv auf den Neurotransmitter Serotonin. Die Aufnahme von Serotonin in die Gehirnzellen wird gehemmt, wodurch mehr Serotonin im Spalt zwischen zwei Zellen bleibt und seine Wirkung dort verstärkt entfalten kann.

Die Erhöhung des Serotonin-Spiegels sorgt auf Dauer für eine Beruhigung des Angstnetzwerks im Gehirn. Dieses Angstnetzwerk ist für die Wahrnehmung, Bewertung und Reaktion auf Stress oder angstauslösende Reize zuständig. Wird es mehr und mehr beruhigt, werden in Folge weniger Stress-, Angst- und Panikreaktionen ausgelöst.

Medikamente aus der Gruppe der SSRI sind zum Beispiel:

  • Paroxetin
  • Citalopram
  • Escitalopram
  • Sertralin

Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI)

Ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) verhindert nicht nur die Wiederaufnahme von Serotonin, sondern auch die von Noradrenalin. Es wirkt also gleichermaßen auf die Rezeptoren zweier Botenstoffe.

Ein Beispiel für ein solches Antidepressivum ist das Antidepressivum Venlafaxin.

Trizyklische Antidepressiva

Auch trizyklische Antidepressiva wie beispielsweise Imipramin oder Opipramol beeinflussen mehrere Neurotransmittersysteme gleichzeitig. Dadurch können sie höhere Erfolgschancen versprechen. Bezüglich der Wirkung wird zwischen beruhigenden, stimmungsaufhellenden und antriebssteigernden Mitteln unterschieden.

Im Gegenzug gehen trizyklische Antidepressiva aber häufig mit umfassenderen Nebenwirkungen einher.

SSRI am erfolgversprechendsten...

Als vielversprechendstes Antidepressivum zur Behandlung von Angststörungen gelten derzeit die SSRI-Mittel. Eine Metastudie im Jahr 2018 (1) hat ergeben, dass bei 55 von 100 Patienten die Beschwerden ihrer Panikstörung nach der Einnahme von SSRI’s zurückgingen. In der Placebo-Kontrollgruppe gingen die Beschwerden bei 44 von 100 Patienten zurück.

Aber: In der SSRI-Gruppe brachen 10 % die Studie vorzeitig aufgrund von Nebenwirkungen ab, in der Placebo-Gruppe waren es nur 7 %.

...jedoch nicht ohne Nebenwirkungen

Allgemein können unerwünschte Nebenwirkungen mit der Einnahme von Antidepressiva einhergehen – von unangenehmen bis hin zu gesundheitsgefährdenden. In den meisten Fällen treten sie insbesondere in den ersten 14 Tagen der Einnahme auf.

Häufige Nebenwirkungen sind Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, innere Unruhe, Gewichtszunahme und sexuelle Funktionsstörungen. Zu Beginn der Einnahme ist auch eine Verstärkung der zu behandelnden Symptome nicht ausgeschlossen. Das kann bei Patienten mit Depressionen sogar eine erhöhte Häufigkeit von Suizidgedanken umfassen.

Wenn du dich dazu entschließt, deine Panikstörung mit Antidepressiva zu behandeln, solltest du die Wirkung, Nebenwirkungen und Verträglichkeit bei dir aufmerksam beobachten und regelmäßig Rücksprache mit deinem Arzt halten. Gegebenenfalls solltest du deine Dosierung anpassen oder auf ein anderes Mittel umsteigen.

Einnahmedauer individuell verschieden

Wie bereits erwähnt, kannst du nach spätestens 5 bis 6 Wochen mit einer Verbesserung deiner Angst- und Panikstörung rechnen. Dennoch ist dazu geraten, das Antidepressivum auch nach Abklingen der Beschwerden noch einige Zeit, meist zwischen 6 und 12 Monate, weiter einzunehmen. So verhinderst du Rückfälle in Form von Wiederauftreten der Panikattacken.

Eine starke Abhängigkeit wie bei Benzodiazepinen brauchst du bei Antidepressiva nicht zu befürchten. Dennoch solltest Du beim Absetzen vorsichtig vorgehen. Am besten Du liest hierzu meinen Artikel über das Absetzen von Antidepressiva.

Benzodiazepine zur Akutbehandlung von Panikattacken

Alternative Medikamente gegen Angstzustände zu serotonerg wirkenden Substanzen sind Benzodiazepine (Benzos). Diese Pharmaka stammen aus der Arzneigruppe der Sedativa bzw. Tranquilizer, es handelt sich also um Beruhigungsmittel.

Die beiden am häufigsten verschriebenen Benzos meisten basieren auf dem Wirkstoff Diazepam (Valium) oder Lorazepam (Tavor). Sie wirken nicht nur beruhigend und entspannend, sondern auch angstlösend, krampflösend und emotional dämpfend.

Beispiele für diese Arzneimittel sind die folgenden:

  • Tavor (Lorazepam)
  • Valium (Diazepam)
  • Rivotril (Clonazepam)
  • Frisium (Clobazam)
  • Adumbran (Oxazepam)
  • Praxiten (Oxazepam)
  • Tafil (Alprazolam)

Anders als Antidepressiva entfalten Benzodiazepine bereits innerhalb kurzer Zeit ihre anxiolytische (d.h. angstlösende) Wirkung. Daher eignen sie sich vor allem zur Akutbehandlung schwerer Panikattacken. Nebenwirkungen gibt es eher selten, beispielsweise in Form von extremer Müdigkeit.

Achtung vor Suchtpotential

Allerdings steht der schnellen und guten Wirkung ein hohes Abhängigkeitspotential und Gewöhnungseffekte entgegen. Bereits nach 1-2 Wochen regelmäßiger Einnahme kommt es zur Abhängigkeit.

Das äußert sich auch zum einen darin, dass die Dosierung aufgrund der eintretenden Gewöhnung konstant erhöht werden muss, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Nach dem Absetzen der Benzodiazepine erleben Betroffene nicht nur eine Verschlechterung der ursprünglichen Beschwerden, sondern haben zusätzlich mit stärksten Absetzsymptomen zu kämpfen, die sich körperlich und psychisch äußern. Lies hierzu auch meinen Artikel zum Entzug von Xanax.

Daher eignen sich Benzodiazepine keineswegs zur Langzeitbehandlung von Panikstörungen und werden oft nur kurzzeitig oder in Ausnahmefällen verschrieben.

Antidepressiva und Benzodiazepine kombinieren

In vielen Fällen wird zu Beginn der medikamentösen Therapie eine Kombination von Antidepressiva und Benzodiazepine eingesetzt. So wird in der Eingewöhnungszeit des Antidepressivums, vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen, begleitend - idealerweise jedoch nur bei Bedarf - ein Benzodiazepin angeordnet.

Auf diese Weise erzielst du schon zu Beginn der medikamentösen Behandlung eine Linderung der Angsterscheinungen. Sobald das Antidepressivum seine Wirkungsweise entfaltet hat, kannst du das Benzodiazepin schrittweise wieder ausschleichen.

Meiner Meinung nach sollte Tavor oder andere Benzos jedoch nur bei Bedarf eingenommen werden und auf keinen Fall regelmäßig begleitend, da wie gesagt schon nach 1-2 Wochen eine starke Abhängigkeit eintreten kann.

Weitere Medikamente bei Panikattacken

Neben oben aufgeführten Arzneimittelgruppen empfehlen einige Mediziner weitere Medikamente zur Behandlung von Panikattacken. Nachfolgend erfährst du, welche alternativen Tabletten bei Panikattacken helfen können.

Neuroleptika

Früher wurden Panikstörungen in einigen Fällen mit Neuroleptika behandelt, also mit Medikamenten, die eigentlich der Behandlung von schizophrenen Psychosen und anderen psychischen Störungen dienen.

Neuroleptika beeinflussen die Erregungsübertragungen an den Synapsen im Gehirn und hemmen hauptsächlich die Dopamin Übertragung. Sie wirken dämpfend und entspannend und tragen so zu einer Beruhigung des Patienten bei, auch wenn das Mittel an sich keine unmittelbar angstlösende Wirkung hat.

Allerdings wird durch diese Präparate (zum Beispiel Haldol, Melleril oder Imap) das Reaktionsvermögen enorm beeinträchtigt, so dass der Patient unter Umständen nicht mehr in der Lage ist, Fahrzeuge oder Maschinen zu bedienen. Ohnehin gehen Neuroleptika mit starken Nebenwirkungen einher, die nicht immer ohne Langzeitfolgen wie einer Hirnatrophie bleiben (2).

Deshalb werden sie heute nur noch in äußerst seltenen Fällen zur Behandlung von Angst- und Panikstörungen eingesetzt.

Das Antiepileptikum Pregabalin

Bei Pregabalin handelt es sich um ein Medikament für Epilepsie, das aber auch der Behandlung einer generalisierten Angststörung dienen kann. Zwar lindert es die Beschwerden dieser, geht aber auch mit beachtenswerten Nebenwirkungen einher.

Einige Betroffene beschreiben ihren Zustand nach Beginn der Einnahme so, als seien sie betrunken. Sie berichten von Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit und der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren oder aufmerksam zu sein. Auch langfristig können Nebenwirkungen wie Muskelzucken, Gewichtszunahme, Ödeme, Gleichgewichtsstörungen, Doppeltsehen, Übelkeit, Energielosigkeit und Herzrhythmusstörungen auftreten. Oftmals wird die Lebensqualität im Alltag so stark beeinträchtigt.

Bei etwa 35 % der Patienten kommt es zudem etwa ein halbes Jahr nach dem Absetzen von Pregabalin erneut zu Beschwerden einer generalisierten Angststörung (3).

Antihistaminikum Hydroxyzin

Hydroxyzin gilt als Antihistaminikum und damit als Mittel gegen allergische Reaktionen. Darüber hinaus wird es aber auch in der Behandlung von Angstzuständen wie bei einer GAS oder als angstlösendes Beruhigungsmittel vor Operationen eingesetzt.

Durch die Hemmung bestimmter Neurotransmittersysteme im menschlichen Nervensystem wirkt Hydroxyzin angstlösend, beruhigend und sedierend. Sowohl das Gefühlsleben als auch die Gedanken können auf positive Weise kontrolliert werden. Eine häufige Nebenwirkung des Medikaments ist Müdigkeit.

Buspiron

Das Arzneimittel Buspiron wirkt angstlösend und kommt hauptsächlich bei einer GAS zum Einsatz. Es fungiert nach dem heutigen Stand der Wissenschaft als Agonist an den 5HT1A-Rezeptoren (Serotoninrezeptoren) und als Antagonist an den D2-Rezeptoren (Dopaminrezeptoren).

Die Wirkung setzt ein, sobald es nach einer der Hemmung durch den 5HT1A-Rezeptor wieder zu einer höheren Ausschüttung von Serotonin aufgrund von Kompensationsprozessen kommt. Das ist in der Regel nach einigen Wochen der Fall.

Es dauert also deutlich länger als beispielsweise bei Benzodiazepinen, bis die Beschwerden der Angsterkrankung gelindert werden. Dafür hat Buspiron aber nur ein geringes Suchtpotential und wirkt auch nicht sedierend. Jedoch können als Nebenwirkungen Schlafstörungen und innere Unruhe auftreten.

Betablocker

Betablocker eignen sich zwar nicht zur Langzeitbehandlung von Angststörungen, werden aber oft als Notfallmedikament vor Prüfungen oder Auftritten gegen Panik und die Erscheinungen extremer Nervosität eingesetzt. Sie reduzieren die körperlichen Paniksymptome wie Schwindel, Zittern und Schwitzen und regulieren Puls und Blutdruck. Die Angst selbst beeinflussen Betablocker jedoch nicht. Gleichzeitig besteht aber auch kein Risiko einer physischen Abhängigkeit.

Pflanzliche Mittel bei Angst- und Panikstörungen

Als Alternative zu rezeptpflichtigen, chemischen Medikamenten setzen einige Betroffene auf pflanzliche Mittel gegen Panikattacken.

Häufig basieren diese auf Baldrian-Extrakten, Hopfen, Passionsblume, Lavendel, Melisse oder Johanniskraut – also Pflanzen mit beruhigender und entspannender Wirkung. Auch Kava Kava, eine Pflanze von den pazifischen Inseln, wirkt beruhigend bei Angst, da sie die GABA-Rezeptoren im Gehirn beeinflusst.

Die bedeutendsten Argumente für pflanzliche Wirkstoffe oder homöopathische Mittel sind, dass es üblicherweise weder starke Nebenwirkungen noch eine Abhängigkeitsgefahr gibt.

CBD vielversprechend

Als besonders vielversprechend gilt neueren Studien zufolge CBD. Da dieses das körpereigene Endocannabinoid-System beeinflusst, kann es die Ausschüttung von Stresshormonen senken und die von Serotonin fördern. So wirkt CBD-Öl beruhigend auf Körper und Geist und wird zunehmend auch zur Therapie von Angststörungen empfohlen.

Alternativen zur medikamentösen Behandlung

Alternativ oder ergänzend zu einer medikamentösen Therapie stehen in vielen Fällen weitere Behandlungsformen wie beispielsweise eine Psychotherapie zur Verfügung. Vor allem in Bezug auf eine Langzeitbehandlung deiner Panikstörungen solltest du dich mit diesen Möglichkeiten auseinandersetzen.

Kognitive Verhaltenstherapie

In einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt der Betroffene, seine Angst zu verstehen. Mit dem Therapeuten bespricht er die Situationen und Faktoren, die im Zusammenhang mit seinen Panikattacken auftreten. Der Therapeut versucht, die zugrundeliegenden Denkmuster zu identifizieren und positiv zu verändern.

Die Expositionstherapie

Eine besondere Form der kognitiven Verhaltenstherapie ist die Expositionstherapie, auch Konfrontationstherapie genannt. Gemeinsam mit seinem Therapeuten begibt sich der Patient in potenziell panikauslösende Situationen. So soll er lernen, die aufkommende Angst auszuhalten und zu kontrollieren.

Ziel der Expositionstherapie ist es, dass der Betroffene erkennt, dass die schwerwiegenden Befürchtungen nicht eintreten und von der Situation keine Gefahr ausgeht. Langfristig hilft ihm die Therapie, diverse Vermeidungsstrategien oder Sicherheitsverhalten abzulegen. Annahmen über die angstauslösende Situation werden korrigiert, bis irgendwann keine Angst mehr ausgelöst wird.

Tiefenpsychologische Therapie

Eine andere psychotherapeutische Option ist die Tiefenpsychologische Therapie. Dieser Ansatz versucht, verdrängte Erlebnisse zu erinnern und nochmals zu durchleben. So möchte der Psychotherapeut unterbewusste Emotionen und unterdrückte Konflikte ans Tageslicht bringen, um die eigentlichen Ursachen der Angst aufzulösen.

Entspannungstechniken

Das Erlernen und Üben spezieller Entspannungstechniken kann ebenfalls helfen, die Angst kontrollieren zu lernen. Geeignet sind zum Beispiel fernöstliche Techniken wie Qi Gong, Yoga und Tai Chi, aber auch diverse Meditationsarten sowie Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR).

Indem du lernst, gezielt Muskeln und Geist zu entspannen, erfährst du eine neue Form der Kontrolle über deine Emotionen und damit auch deine Angst. Bei aufkommender Panik ist insbesondere die Arbeit mit dem Atem ein wertvolles Hilfsmittel. Eine gleichmäßige, tiefe und langsame Atmung beruhigt das Nervensystem und aktiviert den Parasympathikus.

Präventive Verhaltensempfehlungen

Als präventiv in Bezug auf Panikattacken gilt unter anderem Ausdauersport. Regelmäßiges Laufen, Radfahren oder Schwimmen kann helfen, die Angstsymptomatik zu verbessern und die Häufigkeit von Panikattacken positiv zu beeinflussen. Außerdem wirkt ausreichend Schlaf sowie der Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Koffein vorbeugend.

Versuche generell, dein Stresslevel so niedrig wie möglich zu halten. So senkst du die Gefahr einer erneuten Panikattacke.

Fazit: Wann Medikamente eine geeignete Therapieform sind

Es ist nicht möglich, eine pauschale Aussage darüber zu treffen, welche Therapieform bei dir die wirksamste gegen Panikattacken ist. Dazu sind Angststörungen und ihre Symptomatik und Ursachen zu individuell.

Am häufigsten werden Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva, insbesondere SSRIs, sowie eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen. Einer Metastudie nach ist die Wirksamkeit beider Behandlungsformen in etwa gleich hoch (4). Auch das Niveau des Behandlungsabbruchs lag beides mal gleichauf.

Vieles deutet darauf hin, dass eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und dem Einsatz von Medikamenten die besten Ergebnisse bei Panikstörungen erzielt. Die Psychotherapie senkt vor allem das Risiko, dass du nach dem Absetzen der Medikamente erneut regelmäßige Panikattacken erleidest.

Wenn du stark unter deinen Panikattacken leidest, kann die Einnahme von Medikamenten zumindest vorübergehend empfehlenswert sein. Lass dich von deinem Arzt ausführlich beraten, welche Therapie bzw. welches Medikament für dich und dein Krankheitsbild die aussichtsreichste ist. 

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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