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Dezember 16, 2020

Da hat man sie jetzt seine Diagnose: „F32.9 G“ nach ICD 10. „Schön“ einkategorisiert wie das unsere Mediziner so gerne machen. Und dann am besten nach Leitlinie (quasi Schema „F“) behandeln.

In meinem Artikel erfährst Du,

  • was die Diagnose – für die Mediziner – bedeutet
  • was die Diagnose für DICH bedeutet
  • und vor allem aber auch was sie NICHT bedeutet

Was sind eigentlich ICD Codes?

Fangen wir mal von vorne an. F32.9 G (oder f32 9) ist ein sogenannter ICD Code, auf deutsch: ein Diagnoseschlüssel.

ICD ist die Abkürzung für International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems. Das ICD wird von der WHO (World Health Organization) herausgegeben und ist das weltweit wichtigste und verbreitetste Klassifikationssystem für medizinische Diagnose.

Für jede denkbare Erkrankung, von A wie Allergien bis Z wie Zehen-Deformation, gibt es einen solchen Code bzw. einen solchen Diagnoseschlüssel. Der erleichtert Medizinern die Kommunikation und erlaubt auch eine internationale Erfassung von Statistiken, z.B. in welchem Land in welchen Jahren eine bestimmte Erkrankung diagnostiziert wurde.

Der ICD-Code erscheint auch auf Überweisungen und bei Krankschreibungen auch auf dem Krankenschein - allerdings nur auf dem Teil des Krankenscheins, der für die Krankenkasse ist. Den Arbeitgeber geht die Diagnose nichts an (Datenschutz).

Desweiteren definieren Mediziner sogenannte Leitlinien zur Behandlung bestimmer Erkrankungen anhand der ICD Codes.

F32.9 G – die Bedeutung der Zahlen und Buchstaben

Was bedeuten also die einzelnen Buchstaben und Zahlen?

Der ICD Code ist nach einem bestimmten System aufgebaut.

  1. Der erste Buchstabe steht für die Kategorie der Erkrankungen. Beispielsweise steht H für Augenerkrankungen. F steht für „Psychische und Verhaltensstörungen“.
  2. Die erste Zahl vor dem Punkt steht für die Erkrankung, die diagnostiziert wurde. F32 bedeutet Depressive Episode.
  3. Die Zahl hinter dem Punkt gibt noch weitere Informationen zur diagnostizierten Erkrankung. Im Falle von F32 gibt es folgende Möglichkeiten, die davon abhängen, wie stark die depressive Episode ist:
  4. F32.0 bedeutet eine leichte depressive Episode
  5. F32.1 bedeutet eine mittelgradig depressive Episode
  6. F32.2 bedeutet eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
  7. F32.3 bedeutet eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
  8. F32.8 bedeutet sonstige depressive Episoden
  9. F32.9 bedeutet „Depressive Episode, nicht näher bezeichnet“
  10. Der letzte Buchstabe gibt an, um welche Art von Diagnose es sich handelt, z.B. steht A für Ausschlussdiagnose. G steht für „Gesicherte Diagnose“.

Bei den meisten Menschen mit der Diagnose F32.9 G wird die Diagnose vom Hausarzt gestellt. Die Entscheidung, ob die depressive Episode leicht, mittel oder schwer ist, wird meist dem Psychiater überlassen und so werden die meisten erstmal mit F32.9 für eine nicht näher bezeichnete depressive Episode diagnostiziert.

Was bedeutet die Diagnose F32.9 G?

Die Diagnose F32.9 G bedeutet „Depressive Episode, nicht näher bezeichnet“. Das G am Ende steht hierbei für "Gesichterte Diagnose".

Wie wird F32.9 G diagnostiziert?

Ob Hausarzt oder Psychiater – beide sollten sich beim Gespärch ausführlich Zeit genommen. Die Diagnose „F32.9 G – Depressive Episode“ wird anhand von bestimmten Symptomen getroffen, von denen zumindest einige bei Dir zutreffen müssen.

Hierzu gehören:

  • Gedrückte Stimmung
  • Verminderter Antrieb
  • Die Fähigkeit, Freunde zu empfinden, ist eingeschränkt
  • Weniger Interesse an Dingen und Aktivitäten, die einen sonst interessieren
  • Verminderte Libido
  • Ausgeprägte Müdigkeit oder schnelle Erschöpfung nach eigentlich wenig anstrengenden Aktivitäten (Erschöpfunsdepression)
  • Gestörter Schlaft, veränderter Appetit (entweder kein Appetit oder Heißhungerattacken)
  • Dementsprechend Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
  • Schuldgefühle, vermindertes Selbstvertrauen, Gefühl der Wertlosigkeit
  • Stimmungsschwankungen

Je nachdem, wieviele der o.g. Symptome zutreffen und wie stark diese ausgeprägt sind, kann (meist der Psychiater) auch die Schwere (leicht, mittel, schwer) der Depressiven Episode diagnostiziert werden.

Was durch die Klassifizierung mit dem Diagnoseschlüssel F32 9 g nicht berücksichtigt wird, sind die Umstände, die zu der Krise bzw. der depressiven Episode geführt haben.

Es ist natürlich ein Riesenunterschied, ob Mobbing, ein stressiger Job, ein Verlust eines Nahestehenden, eigene gesundheitliche Probleme oder „sonst was“ zu der Depressiven Episode geführt haben. Nur in dem Diagnoseschlüssel findet das eben keine Berücksichtigung.

Krankschreibung: wie lange „zu Hause“ bleiben?

Übrigens: mache dir keine Gedanken (also keinen Stress) darüber, wie lange deine erste Krankschreibung ausgestellt ist.

Wenn Du beispielsweise eine Krankmeldung wegen Depressionen über zwei Wochen erhalten hast, bedeutet das nicht, dass Du nach zwei Wochen wieder arbeiten musst. So lange es dir nicht gut geht, ist es kein Problem, die Krankschreibung immer wieder verlängern zu lassen. Den Ärzten ist durchaus bewusst, dass die Menschen oft ihre Zeit brauchen und es ist auch wichtig, sich die Zeit zu nehmen.

Also bitte keinen Stress machen und denken, man müsste nach 2-3 Wochen unbedingt wieder arbeiten gehen, gerade wenn die Arbeit ein Teil des Problems ist. Für andere Menschen wiederum kann es aber auch eine willkommene Ablenkung sein, wieder zur Arbeit zu gehen.

Die Behandlung einer depressiven Episode F32.9 G

Hier kommt unsere heutige Medizin leider regelmäßig an ihre Grenzen. Eine Medizin, die auf Diagnosen und Leitlinien zur Behandlung bestimmter Erkrankungen aufgebaut ist, funktioniert schon bei vielen körperlichen Beschwerden nicht gut.

Bei psychischen Problemen ist dieses Grundprinzip „Erkrankung X wird mit Therapie Y und Z behandelt“ jedoch hoffnungslos zum Scheitern verurteilt.

Antidepressiva oder Gesprächstherapie

Ich bin auch niemand, der Antidepressiva verteufelt, aber sie werden – gerade auch von Hausärzten – leider viel zu schnell und viel zu oft verschrieben.

Es ist fast schon verständlich, wenn man bedenkt, wie viele Patienten ein Arzt am Tag versorgt, die die Praxis mit den entsprechenden Rezepten für Ihre Medikamente wieder verlassen. Und so ist es nur naheliegend, auch Menschen mit psychischen Beschwerden auf die gleiche Art und Weise „abzuspeisen“.

Leider ist die Alternative, nämlich ein Therapieplatz bei einem Psychologen, viel schwieriger und oftmals erst nach langer Zeit zu bekommen. Einen Therapieplatz zu bekommen und den für sich geeigneten Therapeuten zu finden, ist eine Sache für sich, die viele Menschen in der Lage, in der sie sich befinden, gar nicht leisten können.

Unterstützung durch Familie, Freunde und Bekannte

Ich rate unbedingt dazu, dass man sich Unterstützung durch Famile oder Freunde besorgt, die einem dabei helfen können. Wie man da am besten vorgeht, habe ich in meinem Artikel „Psychotherapeut finden“ ausführlich beschrieben.

Schnelle Erleichterung durch folgende Alternativen

Ist die Lage nicht so akut, dass man unbedingt auf Antidepressiva zurückgreifen muss (die ja sowieso auch eine Zeitlang benötigen, bis sie wirken), können auch pflanzliche Stimmungsaufheller eine gute Ersthilfe sein. Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit CBD-Öl gemacht, die ich hier beschreibe.

Weitere Methoden, die schnell Erleichterung bringen können, sind die EFT-Klopftechnik sowie die Therapie mit EMDR, die vor allem bei Traumata Anwendung findet. Und auch die Wim-Hof-Methode mit Atemtechniken und Kältetherapie kann sehr effektiv sein.

Stationäre Aufenthalte oder Reha rechzeitig beantragen

Auch falls ein stationärer Aufenthalt in Psychiatrie oder Psychosomatik oder eine Reha in Frage kommen sollte… fangen Sie frühzeitig damit an, sich damit zu beschäftigen und gegebenenfalls die Dinge zu beantragen. Denn alles dauert seine Zeit. Holen Sie sich unbedingt Unterstützung, denn der damit verbundene Aufwand ist schon für einen gesunden fitten eine Herausforderung.

LesetippWie lange dauert es, bis eine Depression abklingt?

Fazit

Bitte versuche, in die Diagnose F32.9 G nicht mehr hereinzuinterpretieren als notwendig ist. Es ist nur eine Kategorisierung, nur ein Diagnoseschlüssel, der den betroffenen Personen mit ihren individuellen Problemen und Leiden gar nicht gerecht werden kann.

Es bedeutet auch auf keinen Fall, dass man jetzt für immer und ewig als „psychisch krank“ abgestempelt ist. Vielmehr sollte man versuchen, die depressive Phase als sinnvolle Schutzreaktion unseres Körpers ansehen. Eine Schutzreaktion, die schlimmere „Schäden“ an unserem Körper verhindert. Denn das ist sie meistens auch.

Ein Zeichen, das sich etwas ändern muss. Lies‘ hierzu auch gerne meinen Artikel „Ich kann nicht mehr“.

Selbstmordgedanken?

Falls du akut Hilfe brauchst: Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge (0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222) sind rund um die Uhr für dich erreichbar.

Weitere Hilfsangebote findest du hier: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/

Über den Author

Andreas

Ich bin Andreas Humbert, Gründer und Hauptblogger von "Mein Weg aus der Angst". Ich lebe mit Frau, Tochter und Hund in der Pfalz. Mehr Infos über mich kannst du hier nachlesen.

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